Im folgenden Ratgeber erfahren Sie alles Relevante rund um das Thema „ETF“ (Exchange Traded Funds). Wir erläutern die Grundlagen, diskutieren die Vor- und Nachteile und vorauf bei der Geldanlage in ETFs zu achten ist. Mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung erhalten Sie das Rüstzeug, das es Ihnen ermöglicht, eine fundierte und für Sie persönlich ideale Anlageentscheidung zu treffen. Zudem gehen wir auf Besonderheiten ein, die Sie als Schweizer Investor beachten sollten.

Inhaltsübersicht

1. Was sind ETFs

2. Historische Performance von ETFs

3. Typen und Funktionsweisen von ETFs

4. Die Vor- und Nachteile von ETFs

5. Schritt für Schritt die richtigen ETFs auswählen

6. Fazit: Sind ETFs immer die beste Wahl?

Begleitet wird der Ratgeber von Kommentaren des ETF-Experten Dr. Jürgen Nawatzki. Das vollständige Interview mit ihm ist hier zu finden.

 

1. Was sind ETFs?

Börsengehandelte Indexfonds, oder Exchange Traded Funds (ETF) auf Englisch, liegen bei Anlegerinnen und Anlegern weltweit im Trend. ETFs sind Einfach, Transparent und Flexibel. Im Kern kombinieren die günstigen Anlageprodukte die Vorteile von Aktien und Fonds. Investoren haben so die Möglichkeit, mit einem Wertpapier breit diversifiziert in einen ganzen Index zu investieren.

 

Der Experte:

„ETFs sind der Anlagetrend unserer Zeit und die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger. Einfach, weil sie die grösste Finanzinnovation der letzten 20 Jahre sind. Dabei sind ETF-Sparpläne der absolute Königsweg des Fondssparens.“

 

ETFs sind passiv gemanagte Indexfonds, die an der Börse gehandelt werden. Ein Fonds investiert per Definition in mehrere Aktien oder Anleihen und streut damit das Risiko für die Anlegerschaft: Verliert eine einzelne Aktie einmal an Wert, gibt es im Fonds andere Titel, die nicht so viel nachgeben oder gar an Wert zulegen. Im Gegensatz zum klassischen Fonds, zielt ein ETF computergesteuert (das heisst passiv – ohne Hilfe eines Fondsmanagers oder eines anderen Experten) darauf ab, die Performance eines Index bestmöglich abzubilden. Bei einem Aktienindex handelt es sich um eine Kennzahl für die Kursentwicklung eines Aktienmarktes oder einzelner Aktiengruppen.

Ähnlich wie bei einem normalen Fonds, bieten ETFs also Zugang zu einem breit diversifizierten Portfolio. Beispielsweise bildet der „iShares Core MSCI World UCITS“-ETF den MSCI World Index ab. Legt man sein Geld in diesen Index an, ist man automatisch in etwa 1’600 Unternehmen bzw. 1’600 Aktien investiert. Anlegerinnen und Anleger können mit einem einzigen Wertpapier ihr Kapital also sehr breit streuen und so ihr Risiko minimieren.

Ein entscheidender Unterschied zu klassischen Fonds ist der unkomplizierte Handel. ETFs werden an der Börse oder ausserbörslich gehandelt. Somit sind die Vorteile von Investmentfonds perfekt mit den Vorteilen von liquiden Aktien kombiniert.

Das Beste aus zwei Welten: Ein ETF vereinigt die Vorteile von Fonds und Aktien

Der Experte:

„Um in ETFs zu investieren braucht man kein fortgeschrittenes Finanz-Know-how. Das kann im Prinzip jeder Investment-Novize. Also sind ETFs gerade für Investment-Anfänger – aber auch für fortgeschrittene Investoren – sehr interessant. Ein Investment in ETFs ist sehr wenig zeitintensiv.“

 

Da ein ETF ein Index nachbildet, erzielen ETF-Investoren in etwa die gleiche Performance wie die des zugrundeliegenden Index. Weil ETFs in der Regel passiv gemanagt sind und kein separates Fondsmanagement brauchen, sind die Kosten für die ETFs viel tiefer als bei aktiv gemanagten Fonds. Für Privatanleger sind ETFs somit lukrative, kostengünstige und flexible Investmentinstrumente.

 

2. Historische Performance von ETFs

Mit welchen Renditen dürfen Anlegerinnen und Anleger rechnen?

ETFs versprechen, Indizes so genau wie möglich abzubilden und übernehmen damit deren Stärken und Schwächen. Somit eignen sich diese Anlageinstrumente ideal, um langfristig von einer wachsenden Wirtschaft zu profitieren. In ETFs sollten man also langfristig, das heisst mit einem Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren, investieren. Je länger die Haltedauer, desto besser.

Obwohl die durchschnittliche Rendite eines Indexfonds der Performance seines Vergleichsindex ähnelt, wird diese nur selten erreicht. Dies, weil die Kosten für den ETF von der Performance abgezogen werden. Für gewöhnlich fallen Verwaltungsgebühren, Depotkosten, die Vertriebsgebühren des ETF-Anbieters und eventuelle Lizenzgebühren an. Diese vier Kosten werden vom jeweiligen Herausgeber des ETFs in der Kennzahl TER (Total-Expense-Ratio) offengelegt.

Der eingangs erwähnte „iShares Core MSCI World UCITS“-ETF hat beispielsweise eine TER von 0.20 Prozent pro Jahr und ist damit recht günstig. Die Höhe der TER ist immer vom Vergleichsindex abhängig und liegt beispielsweise bei ETFs auf den MSCI-World-Index zwischen 0.15 und 0.40 Prozent pro Jahr. Es gibt aber auch ETFs auf andere Indizes, die ein TER von unter 0.10 Prozent aufweisen. Generell kosten ETFs, die Aktien-Indizes nachbilden, durchschnittlich etwa 0.29 Prozent pro Jahr. Anleihen-ETFs schlagen mit durchschnittlich 0.25 Prozent zu Buche (Stand Anfang 2019).

Zusätzlich können bei einem ETF-Investment auch Swap-Gebühren oder beispielsweise Transaktionskosten auf Fonds-Ebene anfallen und die Performance eines Indexfonds etwas minimieren.

 

Wie gut schneiden ETFs gegenüber Indizes ab?

In der Realität performen aktiv gemanagte Fonds langfristig nur selten besser als ihre zugrunde liegenden Benchmarks (Vergleichsmärkte). Und auch wenn es einem aktiven Fonds gelingt, seinen Vergleichsindex zu schlagen, bleibt für Privatinvestoren auf Grund der hohen Gebühren oft nicht viel vom Kuchen übrig. Die Kosten für einen aktiv verwalteten Fonds betragen unter Einbezug der Handelskosten durchschnittlich 1.84 Prozent pro Jahr. Demgegenüber haben ETF-Investoren aber keine Chance auf eine Überrendite. Aufgrund des sehr statischen Indexbezugs können passive Fonds wie ETFs nie besser laufen als der Index.

Der Experte:

„Den Markt schlagen wollen stets aktiv gemanagte Investmentfonds, also Fonds mit einem teuren Fondsmanagement. Doch diese schaffen das in der Mehrzahl nicht langfristig, also über 5 bis 10 Jahre nacheinander oder länger. Und wegen ihrer hohen Kosten schneiden aktiv gemanagte Fonds oft schlechter ab als ETFs.“

 

Schaut man auf die historische Performance bekannter Indizes, wird jedoch ersichtlich, dass diese – auch nach langen und schmerzhaften Durststrecken – auf die Dauer gut abgeschnitten haben.

So hat der Swiss Market Index (SMI) in den letzten 31 Jahren durchschnittlich etwa 8.8 Prozent pro Jahr dazu gewonnen.

Kursentwicklung Swiss Market Index (SMI)

Auch der Deutsche Aktienindex (DAX) erzielte innerhalb eines ähnlichen Zeitraums eine jährliche Performance von durchschnittlich etwa 8.5 Prozent .

Kursentwicklung Deutscher Aktienindex (DAX)

Der US-amerikanische S&P 500 hat mit einem durchschnittlichen Wachstum von jährlich etwa 8.8 Prozent in den letzten 31 Jahren ebenfalls exzellent abgeschnitten.

Kursentwicklung US-amerikanischer S&P 500

Für „Buy-and-Hold“-Investoren, d.h. für Anlegerinnen und Anleger, die Aktien oder Fonds sehr lange halten, waren diese vergangenen Jahre also sehr lukrativ. Ihr Vermögen wäre in dieser Zeitspanne um über 270 Prozent gewachsen.

 

“Buy-and-Hold“ – Langfristigkeit zahlt sich aus

Weil die Performance eines ETFs grundsätzlich mit seinem Vergleichsindex korreliert, haben ETF-Anleger die Möglichkeit mit einer „Buy-and-Hold“-Strategie von einem langfristigen Indexwachstum zu profitieren. Auf exotische Trading-Strategien sollte man deshalb eher verzichten. Langfristige (d.h. zwischen mindestens 10 und 30 Jahren) und breit abgestützte Investments wurden in der Vergangenheit jedoch mit durchschnittlich etwa 7.5 Prozent pro Jahr entlöhnt. Voraussetzungen dafür sind Durchhaltevermögen und ein wettbewerbsfähiger ETF auf einen stabilen Aktienindex.

 

3. Typen und Funktionsweisen von ETFs

 

Verschiedene Typen von ETFs

Insgesamt gibt es mehr als 4’000 verschiedene ETFs und täglich kommen neue dazu. Für eine bessere Übersicht können sie in verschiedene Typen eingeteilt werden.

Z.B. nach ihrer Anlageklasse:

  • Aktien ETFs
  • Anleihen ETFs
  • Rohstoff ETFs
  • Immobilien ETFs
  • Bargeld ETFs

 

Oder anhand eines bestimmten Investment-Fokusses:

  • Regionale ETFs (z.B. EU-Nordics ETF oder Japans Nikkei ETF)
  • Branchen ETFs: Ermöglichen über den Kauf die Investition in eine ganze Branche (z.B. Energie-Branche oder Automobil-Branche)

 

Oder auch anhand der Management- und Investment-Stratgegie:

  • Klassische ETFs: Ziel ist das Setzen auf einen bestimmten Markt und das Profitieren von seinem Wachstum. Klassische ETFs bilden einen Index ab (i.d.R. nach Marktkapitalisierung gewichtet) und das Portfoliomanagement wird hierbei häufig von einem Robo Advisor übernommen, was die Kosten stark reduziert.
  • Smart Beta ETFs (Faktor Investing): Ziel ist regelbasiertes Schlagen des Markts durch Gewichtung bestimmter Unternehmensfaktoren (Unternehmensgrösse, Unternehmenswert, Unternehmensqualität, Momentum, Volatilität). Dadurch weicht die Gewichtung des Portfolios von der Marktkapitalisierung des Indexes ab.
  • Aktiv gemanagte ETFs: Ziel ist auch hier das Schlagen des Markts, jedoch durch aktives Fonds-Management. Menschen steuern die Investitionen manuell.

 

Replikation von Wertpapieren

Während sich viele börsengehandelte Indexfonds namentlich ähneln, unterscheiden sie sich in ihrem Inneren oft fundamental. Der grösste Unterschied liegt dabei in der Replikation des Index, welche entweder mit echten Wertpapieren (physisch) oder mit Hilfe von Derivaten (synthetisch) erfolgen kann.

 

1) Physische Indexreplikation

Wie der Name schon vermuten lässt, halten physisch replizierende ETFs tatsächlich die Wertpapiere, die ihr Vergleichsindex abbildet. Die Wertpapiere eines Index werden vom ETF-Herausgeber dabei entweder vollständig (Vollreplikation) oder teilweise (Sampling) gekauft. Während man Indizes wie den SMI oder den Dax 30 aufgrund ihrer geringen Anzahl an Wertpapieren vollständig replizieren kann, sind viele Indizes für eine Vollreplikation schlicht zu gross. So kann es vorkommen, dass einige Indizes nur teilweise repliziert werden können. Physische ETFs auf sehr breite Indizes wie beispielsweise den MSCI-World-Index mit über 1’600 Wertpapieren konzentrieren sich auf die Titel mit den höchsten Gewichtungen. Bei einer Vollreplikation würden schlicht zu viel Ressourcen verbraucht werden, weshalb Sampling in diesem Fall mehr Sinn macht.

Visualisierung Vollreplikation

Visualisierung Sampling

2) Synthetische Indexreplikation

Im Gegensatz zum physisch replizierenden ETF setzt ein Exchange Traded Fund mit synthetischer Replikation bei der Indexnachbildung auf Tauschgeschäfte mit Banken. Hierbei hält ein synthetischer ETF lediglich ein Finanzderivat und nicht die tatsächliche Aktie. Man spricht auch von einem Swap- oder Tauschgeschäft. Deshalb werden solche ETFs auch als Swap-ETFs bezeichnet. Beim Derivat handelt es sich um ein Termingeschäft auf der Grundlage eines bestimmten Basiswerts. Der Preis des Derivats entspricht dem Kurs, der ihm zugrundeliegenden Aktie. Steigt die Aktie, gewinnt auch das entsprechende Derivat an Wert. Fällt der Aktienkurs, geht es auch mit dem Derivat nach unten.

 

Swap-ETFs haben einige massgebliche Vorteile. So lassen sich Indizes exakt und grössenunabhängig abbilden. Aufgrund geringerer Transaktionskosten (weil der ETF-Herausgeber eben nicht in jede einzelne Aktie investieren muss) sind bei dieser ETF-Art zudem die Erträge deutlich höher. Abgesehen davon wird die Auflegung von ETFs auf exotische oder beispielsweise illiquide Indizes deutlich erleichtert, da in diesem Verfahren keine Aktien in den entsprechenden Regionen erworben werden müssen.

 

Auf der negativen Seite synthetisch-replizierender ETFs steht das höhere Risiko. Mit dem Swap-Partner (Bank oder Versicherung) verfügt eine externe Partei über Anlegergelder. Im Falle einer Insolvenz sind nur 90 Prozent der ETF-Einlagen geschützt. Zudem haben viele Anleger Probleme, die komplexe Aufmachung dieser Indexfonds zu verstehen. Zum Vergleich: Anlagefonds oder physisch replizierende ETFs sind ein Sondervermögen. Im Konkursfall der Bank werden sie deshalb separat betrachtet und sind somit sehr sicher. Bei Fonds und ETFs, welche Aktien nicht physisch halten, besteht ein sogenanntes Gegenaparteirisiko. Das heisst, es kann zu einem Verlust von 10% kommen, falls der Swap-Partner Konkurs geht.

Funktionsweise SWAP-ETFs

Umgang mit Kapitalerträgen

ETFs unterscheiden sich zudem im Umgang mit Dividendenzahlungen und Sonderausschüttungen. Diese werden entweder reinvestiert oder an die Anleger ausgeschüttet. Ein Aspekt, der direkten Einfluss auf die Rendite eines Indexfonds hat.

 

1) Thesaurierende ETFs (Reinvestierende ETFs)

Wenn thesaurierende ETFs Erträge aus dem eigenen Portfolio erhalten, werden diese reinvestiert. Der Anleger erhält seine Dividende also nicht unmittelbar wie beispielsweise bei einer Aktieninvestition. Die Dividende wird vom Herausgeber stattdessen genutzt, um weitere Aktien im Vergleichsindex zu erwerben. Thesaurierende ETFs sind optimal für langfristig orientierte Investoren. Erst beim Verkauf seines ETFs bekommt der Anleger diese über die Jahre gesammelten „Dividenden-Beträge“ quasi zurück. Durch die direkte Reinvestition entsteht zudem ein Zinseszinseffekt, welcher den ETF-Anlegern ebenfalls zugutekommt.

 

2) Ausschüttende ETFS

Wie der Name schon vermuten lässt, werden Dividenden und Sonderzahlungen von ausschüttenden ETFs direkt an die Anleger weitergeleitet. Diese können das erhaltene Kapital behalten oder anschliessend wieder investieren. Entscheiden sich die Investoren dazu, mit den Dividenden und anderen Ausschüttungen weitere ETF-Anteile zu erwerben, profitieren diese ebenfalls vom Zinseszinseffekt.

 

4. Die Vor- und Nachteile von ETFs

Es gibt viele Gründe ETFs als massgeblichen Bestandteil der eigenen Anlagestrategie einzusetzen. Insbesondere im Vergleich zu anderen Anlageinstrumenten haben ETFs einige Vorteile. Die börsengehandelten Indexfonds sind flexible und sehr günstige Investmentinstrumente, die für eine breite Diversifikation des Vermögens sorgen. Investorinnen und Investoren können so ohne viel Kapital in den Wertpapiermarkt einsteigen. Dennoch gibt es wie bei jedem Investment neben den vielen Vor- auch ein paar Nachteile. Aber kommen wir zuerst zu den Vorteilen.

 

Der Experte:

„Aus meiner Sicht haben ETFs überwiegend Vorteile, denen kaum nennenswerte Nachteile gegenüberstehen. Wie gesagt, ETFs sind einfach, transparent, flexibel und kostengünstig.“

 

Vorteile von ETFs

Breite Streuung

Die Diversifikation ist einer der grössten Vorteile von ETFs. Da in der Regel ein ganzer Index abgebildet wird, sind ETF-Investments gut diversifiziert. Anleger haben so die Möglichkeit, auch mit wenig Kapital eine gute Streuung zu erzielen. Das verhindert die Konzentration auf wenige Einzeltitel (Klumpenrisiko).

ETF-Risiko

Vergleich konzentriertes Portfolio vs. diversifiziertes Portfolio

Geringe Kosten

ETFs punkten mit vergleichsweise sehr geringen Kosten. Diese sind gerade bei langfristigen Investments von entscheidender Bedeutung. Grundsätzlich gilt: Je geringer die Kosten, desto eher entspricht die Performance des ETFs dem abgebildeten Index. Auch die teuersten ETFs sind in der Regel günstiger als aktiv gemanagte Fonds, was sich immer positiv auf die Rendite auswirkt.

 

Der Experte:

„Online-Broker sind generell günstiger als Filialbanken.“

 

Flexibel handelbar

Während die meisten aktiv gemanagten Fonds nur einmal am Tag gehandelt werden können, lassen sich ETFs zu den normalen Börsenzeiten traden. Dabei finden die Transaktionen auch unkompliziert und kostengünstig über einen Broker statt.

 

Transparent

Im Gegensatz zu klassischen Fonds, lassen sich die Fondsbestandteile von ETFs täglich kontrollieren. Die ETF-Anbieter stellen Informationen zur tatsächlichen Fondszusammensetzung jeden Tag zur Verfügung.

 

100 Prozent Sondervermögen

Langfristige Anlagen müssen vor allem sicher sein. Daher tut es gut zu wissen, dass ETF-Einlagen als Sondervermögen gehandhabt werden. Im Falle einer Insolvenz des ETF-Anbieters, ist das Vermögen der ETF-Anleger deshalb geschützt und gehört nicht zur Konkursmasse.

 

Nachteile von ETFs

Gegenparteirisiko

Wie oben im Absatz „Synthetische Indexreplikation“ angemerkt, besteht bei Swap-ETFs das Ausfallrisiko des Swap-Partners. Dieses Ausfallrisiko wird gesetzlich zwar auf 10 Prozent limitiert, sollte von Anlegern aber dennoch berücksichtigt werden.

 

Tracking Error

Die Nachbildungsfehler von ETFs, die auch als Tracking Error bekannt sind, entstehen hauptsächlich durch die anfallenden Kosten. Steigt der SMI in einem Jahr also 8.3 Prozent, beträgt das Plus des entsprechenden ETFs (bei TER-Kosten von 0.2 Prozent) „nur“ 8.1 Prozent. Für Privatanleger ist der Tracking Error aber eher irrelevant.

 

Wertpapierleihe

Die Wertpapiere eines ETFs sind ganz oft vom Herausgeber zeitweilig an Drittparteien verliehen. Die meisten Herausgeber von physisch replizierten Exchange Traded Funds behalten sich vor, die Aktien an jemanden zu verleihen. Dieses Geschäft wird von ETF-Häusern genutzt, um die Portfoliorendite etwas zu verbessern. Diese zusätzlichen Einnahmen werden verwendet, um beispielsweise einen Index besser nachbilden zu können. Anleger sollten aber wissen, dass die Wertpapierleihe ein weiteres – wenn auch kleines – Risiko in ihr Investment bringt.

 

5. Schritt für Schritt die richtigen ETFs auswählen

Schritt 1: Entschluss fassen

Am Anfang der Geldanlage in ETFs steht selbstverständlich der Entschluss darüber, Geld für die eigene Altersvorsorge oder die Erfüllung eines bestimmten Traums in der Zukunft anzulegen. Wie gezeigt worden ist, stellen ETFs hierfür eine hervorragende Möglichkeit dar.

 

Schritt 2: ETF-Typen wählen

Im folgenden Schritt sollte sich ein Anleger entscheiden, auf welche Art er investieren möchte. Hier existieren die oben bereits genauer beschriebenen ETF-Typen:

  • Klassische ETFs (i.d.R. passives Management über Index-Replikation)
  • Smart Beta ETFs (i.d.R. passives Management über Faktor Investing)
  • Aktiv gemanagte ETFs

 

Schritt 3: Indizes wählen

Die Wahl des richtigen Indexfonds kann massgeblich über die eigene Rendite entscheiden. Ein Blick auf verschiedene ETFs mit identischem Vergleichsindex zeigt: Die Kosten, die Replikation und der Umgang mit Kapitalerträgen wirken sich stark auf die jeweilige Performance aus. Der gewählte Bereich sollte vor allem zum möglicherweise bereits vorhandenen Depot des Anlegers passen. Möchte ein konservativer Investor zum Beispiel ein reines ETF-Portfolio erstellen, ist Diversifikation wichtig. ETFs auf grosse Indizes wie den MSCI World oder den MSCI Emerging Markets bieten die vermutlich grösste Streuung. Anleihen-ETFs und Rohstoff-ETFs lassen sich ebenfalls integrieren, um ein Portfolio noch weiter zu diversifizieren.

 

Hat der konservative Anleger dagegen bereits ein bestehendes Portfolio, sollte auf Regionen fokussiert werden, welche das bisherige Portfolio noch nicht abdeckt. Eine hohe Diversifikation spricht dabei für ein geringeres Risiko, gleichzeitig bedeutet ein kleineres Risiko immer auch eine tiefere Rendite.

 

Entscheidend ist, dass ein Index zum Anlageziel und zur Risikobereitschaft eines Anlegers oder einer Anlegerin passt. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da es viele Indizes gibt, die stark von gewissen Aktien geprägt bzw. abhängig sind. Im SMI machen die Unternehmen Nestlé, Roche und Novartis zum Beispiel fast 60 Prozent der Marktkapitalisierung aus . ETFs auf solche Indizes übernehmen diese Gewichtung, was sich letztendlich negativ auf die Diversifikation auswirkt. Läuft es diesen drei Unternehmen im SMI einmal nicht so gut, hat das sofort negative Auswirkungen auf den gesamten Index und somit auch auf die dazugehörigen ETFs.

 

Im deutschen DAX 30 machen die drei grössten Unternehmen (SAP, Siemens und Allianz) zum Vergleich gerade einmal 28% der Indexgewichtung aus. Mit einer ausgewogeneren Gewichtung haben Schwächen der dominierenden Unternehmen eines Index geringere Auswirkungen auf dessen Gesamtperformance.

 

Ob konservativ oder eher risikoreich: Letztendlich müssen sich Investorinnen und Investoren selbst mit ihren individuellen Eigenschaften bzw. Voraussetzungen auseinandersetzen. Wir empfehlen daher, nicht auf einen einzigen Index zu setzen, sondern ein Portfolio mit möglichst unterschiedlichen ETFs auf verschiedene Indizes aufzubauen.

 

Schritt 4: Die Auswahl des richtigen ETFs

Die Auswahl des idealen ETFs ist nach der Auswahl des Index weniger subjektiv. Hier ist es empfehlenswert, die Performance verschiedener ETFs mit demselben zugrunde liegenden Index zu vergleichen. Die Differenz zwischen der ETF-Performance und der Index-Performance (Tracking Error) sollte wie erwähnt so klein wie möglich sein. Je kleiner der Tracking Error, desto tiefer liegen die Kosten des entsprechenden ETFs. Die Frage, ob man sich für Thesaurierung oder Ausschüttung entscheiden soll, müssen Anleger wiederum selbst beantworten. Als physischer MSCI World ETF, ist der „iShares Core MSCI World UCITS“ eine gute Option für konservative Anleger. Dieser thesauriert alle Gewinne und erzielt seit Jahren eine stabile Performance, ohne einen zu hohen Tracking Error zu haben.

 

Mit einem Fondsvolumen von etwa 18.7 Mrd. CHF (Stand Mai 2019) ist dieser der aktuell grösste ETF auf den MSCI-World-Index. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet dies: Ein hohes Handelsvolumen, kleinere Fixkosten und ein geringeres Risiko einer Liquidierung des Produkts in der Zukunft.

 

INFOBOX: Achten Sie auf Wechselkursfallen

Schweizer Anlegerinnen und Anleger sollten darauf schauen, dass sie sich für einen in Schweizer Franken aufgelegten ETF entscheiden. Bei einem Wechsel in Euro oder US Dollar können jeweils hohe Wechselgebühren fällig werden. Es besteht aber kein Grund zur Sorge: Renommierte ETF-Anbieter wie beispielsweise iShares, UBS, Comstage oder Vanguard bieten schon seit längerer Zeit ETFs in Schweizer Franken an.

 

Schritt 5: Anbieter wählen

Ist der Entschluss über den ETF-Typen gefasst, muss ein passender Anbieter gewählt werden. Hier spielen unter anderem die angebotenen Währungen und ETF-Typen, die Mindestinvestitionssumme, Sparplan- und Einzelinvestitionsmodelle sowie die Kosten eine entscheidende Rolle.

 

Ob ETF-Sparplan oder Einzelinvestment – bei einer Investition in Exchange Traded Funds benötigt man ein Konto bei einem Broker. Daher gilt es Kosten zu vergleichen und einen günstigen Anbieter mit ansprechenden Dienstleistungen zu finden.

 

Steht das Konzept für das eigene ETF-Portfolio, müssen die entsprechenden Trades nur noch ausgeführt werden. Je nach Broker kann dies per Telefon oder online erfolgen. Für gewöhnlich werden Trades jedoch online ausgeführt und anschliessend mit einer Tan bestätigt. Einzelinvestments lassen sich so recht schnell umsetzen. Auch das Einrichten eines ETF-Sparplans kann mit einem guten Online-Broker in kürzester Zeit erfolgen.

 

Der Experte:

„Wenn ein ETF-Sparplan einmal eingerichtet ist, läuft er von selbst. Man braucht dann nur ein- bis zweimal pro Jahr nachzusehen und ein erforderliches Rebalancing vorzunehmen. Also die ursprüngliche Verteilung auf verschiedene Anlageklassen und ETFs wiederherzustellen, die sich im Laufe eines Jahres durch die unterschiedliche Kursentwicklung verschiedener Märkte ergeben hat.“

 

Egal für welchen Weg sich der Anleger entscheidet – ein Basiswissen zum Thema sollte vorhanden sein, damit der Anleger bewusst entscheiden kann, welchen Markt er abdecken möchte, welches Risiko er eingehen möchte und welche ETFs zu seinem Portfolio passen.

 

Der Experte:

„Und wer es nicht selbst machen möchte, für den gibt es eine ganze Reihe sogenannter Robo-Advisor, die gegen eine Gebühr ETFs passend zur jeweiligen Risikoeinstellung des Anlegers aussuchen.“

 

INFOBOX

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6. Fazit: Sind ETFs immer die beste Wahl?

Für viele Anleger sind ETFs eine gute Möglichkeit, um unkomplizierte und gut diversifizierte Investments zu tätigen. Die hohe Diversifikation, die Transparenz und die Flexibilität ermöglichen einen bequemen Einstieg in die Welt der Kapitalmärkte. Aber auch erfahrene Investoren greifen gerne auf ETFs zurück, um ihr Portfolio besser zu diversifizieren.

  • Börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs bilden Indizes nach
  • ETFs sind für Anleger kostengünstig
  • Die sogenannte «Buy-and-Hold»-Strategie eignet sich für ETF-Investoren besonders gut und verspricht über die Jahre eine konstante Rendite
  • Es gibt mehr Vor- als Nachteile bei ETF-Investitionen
  • Es lohnt sich die kostengünstigsten ETFs zu suchen
  • Schweizer Anleger sollten sich auf Schweizer-Franken-ETFs konzentrieren

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