Seit 2001 sind ETFs, kurz für Exchange-Traded-Funds, an der Schweizer Börse verfügbar. Niedrige Kosten, eine hohe Transparenz und die gute Verfügbarkeit machen sie zu einem universell einsetzbaren Anlageprodukt. In einem Zeitalter informierter Investoren wächst auch die Beliebtheit des Exchange-Traded-Funds. Inzwischen werden mehr als 1300 ETFs an der Schweizer Börse angeboten - Eine Auswahl, die den Aufbau eines ETF-Portfolios nicht erleichtert. Selektion ist hier der Schlüssel, um den Anforderungen verschiedener Anleger und Anlegerinnen gerecht zu werden. Lesen Sie in diesem Ratgeber, worauf es beim Aufbau des perfekten ETF-Portfolios ankommt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • ETFs bilden in der Regel einzelne Indizes nach
  • Eine breite Diversifikation entsteht durch das Kombinieren verschiedener ETFs
  • Das eine perfekte ETF-Portfolio gibt es nicht – wohl aber optimale Portfolios zu einem Anlegerprofil
  • Anleger sollten die Gewichtung anhand ihrer Risikobereitschaft und ihres Anlagehorizonts auswählen
  • Schweizer Anleger sollten besonders darauf achten, dass die ausgewählten ETFs auch in CHF gehandelt werden und steuerlich optimiert sind.

Was sind ETFs?

ETFs sind auch als börsengehandelte Indexfonds bekannt und zielen darauf ab, einen festgelegten Wertpapier-Index möglichst genau abzubilden. Damit verfolgen sie einen sehr passiven Investment-Ansatz. Investoren erzielen in etwa die Wertentwicklung des jeweiligen Vergleichsindex. Der Swiss-Market-Index, kurz SMI, zeigt bspw. die Entwicklung der 20 grössten und liquidesten Unternehmen der Schweiz.

Ein ETF auf den SMI übernimmt die Indexgewichtung so gut wie möglich. Für einen Anleger bedeutet dies, dass ein Grossteil seines Kapitals von der Wertentwicklung von Nestlé, Novartis und Roche abhängen. Steigt der Gesamtindex, so steigt auch der Wert des abbildenden ETFs. Bei relativ kompakten Indizes, wie dem SMI, erwirbt der ETF-Anbieter die Aktien des Index direkt und lagert diese in einem Portfolio.

Diese Form der Abbildung nennt man auch physische Replikation. Indizes mit einer überschaubaren Unternehmensanzahl können so relativ genau abgebildet werden. Grössere Indizes, wie bspw. der MSCI World mit über 1600 Unternehmen, lassen sich dagegen nur sehr aufwendig vollständig replizieren. Auch bei ETFs auf Rohstoffen werden die Güter wie Weizen oder Öl nicht physisch gelagert. Um diese Indizes und Anlageklassen abzubilden wird daher häufig von der sogenannten synthetischen Replikation (oder auch Swap-Replikation) Gebrauch gemacht. Dabei handelt es sich um einen Vertrag (Derivat), welches dem ETF-Anbieter den Zugriff auf die Aktien des Fonds zusichert. Hier besteht natürlich das Risiko, das der Vertragspartner insolvent geht und daher der Vertrag nicht erfüllt werden kann.

Was sind ETF-Portfolios?

Eine preisgekrönte Börsenweisheit lautet: „Nicht alle Eier in einen Korb legen“. Und genau nach diesem Schema bauen ETF-Portfolio-Strategien auf. Diversifikation ist das Stichwort, welches über den Erfolg vieler Investoren entscheidet. Daher hat ein ETF-Portfolio die Aufgabe, das Risiko eines Anlegers bestmöglich zu streuen. So können Investoren weltweit an verschiedenen Märkten partizipieren und dennoch mit überschaubaren Kosten kalkulieren.

Die Risiken von ETFs streuen

Eines der Hauptargumente für den Erwerb von ETFs ist die damit verbundene Diversifikation. Ein Wertpapier erlaubt Anlegern ein Investment in viele verschiedene Aktien. Wie schon erläutert wären dies 20 Aktien im Falle des SMIs und über 1600 Aktien im MSCI World Index – Eine mehr als ausreichende Streuung, würde man vermuten.

Da ETFs aber immer nur einen ganz bestimmten Index abdecken, sind diese nicht optimal diversifiziert. In der Regel liegt dies aber am Index an sich. So sind Nestlé, Roche und Novartis für über 50% der Performance des SMIs verantwortlich. Auch der MSCI World ist nicht optimal diversifiziert. Ca. 62% der 1600 ausgewählten Unternehmen kommen nämlich aus den USA. Bezieht man Japan und Grossbritannien mit ein, bilden die Wirtschaften von drei Ländern über 75% des Index ab.

Die Branchenverteilung ist dagegen etwas fairer, aber auch nicht vollkommen gleich gewichtet. Der Finanz- und IT-Sektor nehmen zusammen etwa 30% der Index-Gewichtung ein.

Die Aufgabe eines gut diversifizierten ETF-Portfolios ist es also, die Risiken einer Übergewichtung zu minimieren. Dafür könnten ETFs auf USA-lastige Indizes, wie dem MSCI World, bspw. mit einem ETF auf andere Märkte kombiniert werden. Das Einbinden von Anleihen-ETFs ist ebenfalls attraktiv, um ein Portfolio nicht vollständig von den Aktienmärkten abhängig zu machen.

Um das Risiko von ETFs optimal zu streuen, sollten Sie nur auf physische Replizierung und namenhafte Anbieter setzen. So können Sie sicherstellen, dass ein unvorhersehbares Ereignis, wie eine Insolvenz des ETF-Anbieters, möglichst geringe Auswirkungen auf Sie hat.

Alternative ETF-Portfolio-Strategien

Während die meisten ETF-Anleger darauf abzielen, ihr Kapital bestmöglich zu streuen, ist dies längst nicht die einzige Möglichkeit ein ETF-Portfolio aufzubauen. Zu den Alternativen gehören unter anderem folgende:

Trendfolgemodelle als Portfoliostrategie

Einige Anleger nutzen die leichte Verfügbarkeit von ETFs als Möglichkeit, um schnell auf Markttrends reagieren zu können. Hierfür werden teilweise gehebelte ETFs verwendet, die das Risiko, aber auch die mögliche Rendite drastisch erhöhen.

Core Satellite als Portfolio-Strategie

Das Core Satellite Modell ergänzt Einzelaktien zu einem ETF-Portfolio. So lassen sich konservative ETFs mit etwas risikoreicheren Aktien kombinieren, um eine bessere Rendite zu erzielen.

High Dividend Strategie

Diese Dividendenbasierte Strategie setzt ganz auf Dividendenaktien. Dazu werden ETFs mit einem Portfolio aus Aktien mit hohen Dividenden miteinander kombiniert. Für den Anleger entstehen so hohe Auszahlungen und ein angenehmer Nebeneffekt: Unternehmen mit hohen Dividenden stehen nämlich in der Regel finanziell gut dar.

Die Vor- und Nachteile von ETF-Portfolios

Genau, wie bei anderen Anlageklassen, gibt es auch bei ETFs Vor- und Nachteile. Ein ETF-Portfolio ist daher nicht für alle Investoren geeignet. Dennoch sehen wir ETFs als ein insgesamt vielseitiges Investmentvehikel an, welches für die meisten Anleger viele Vorteile bringt.

Vorteile

Einfach und flexibel

ETFs werden wie Aktien an den Börsen gehandelt. Ein Investment lässt sich daher in kürzester Zeit durchführen. Auch der Erwerb mehrerer ETFs zum Aufbau eines ETF-Portfolios erfolgt simpel und unkompliziert.

Weltweite Verfügbarkeit

Die mehr als 1300 verfügbaren ETFs an der Schweizer Börse decken fast alle Anlagemärkte ab. Somit lassen sich auch exotische Märkte unkompliziert mit dem Erwerb eines einzelnen Investmentprodukts in das Portfolio aufnehmen. Investoren sind bei dem Aufbau eines Portfolios keine Grenzen gesetzt.

Vergleichsweise geringe Kosten

ETFs sind passiv gemanagte Investmentvehikel. Das bedeutet, dass kein grosses Fondsmanagement benötigt wird, welches sich mit der Wertpapierauswahl beschäftigt. Für die meisten Privatanleger sind die Kosten von ETFs daher sehr gering. In der Regel liegen diese zwischen 0,05% und 0,75% jährlich.

Transparent

ETF-Anbieter benachrichtigen alle Anleger über Änderungen in ihrem Portfolio. Das ermöglicht absolute Transparenz bei der Erstellung eines ETF-Portfolios.

Diversifiziert

Nur wenige Anlageprodukte ermöglichen das Abbilden der gesamten Weltwirtschaft. Mit ETFs können Anleger an der Wertentwicklung von mehreren Tausend Wertpapieren in wenigen Schritten teilhaben. Das sorgt für eine maximale Diversifikation, wenn dies von Anlegern gewünscht wird.

Nachteile

Keine Outperformance

Da ETFs einen Vergleichsindex abbilden, können sie diesen natürlich nicht schlagen. Für Anleger bedeutet dies, dass ein ausgewählter ETF ungefähr die Rendite einbringt, die der Vergleichsindex vorgibt.

Nachbildungsfehler

Leider können ETFs die Performance ihres Vergleichsindex nicht vollständig übernehmen. Das ist grösstenteils den anfallenden Kosten zuzuschreiben. Aber auch die Replikation eines Index erfolgt nur selten zu 100% effizient. So benötigen ETFs bspw. immer einige Zeit, bis sie die Änderungen in einem Index in das eigene Portfolio übernommen haben. Gerade bei einem grossen ETF-Portfolio werden Nachbildungsfehler besonders erkenntlich.

Der Aufbau eines ETF-Portfolios

Die Auswahl der ETFs für ein Portfolio hängen in erster Linie von den Anforderungen eines Investors ab. Dabei sind der Anlagehorizont und die Risikotoleranz besonders ausschlaggebend. Als Faustregel gilt: Je höher die Diversifikation eines Portfolios ist, desto risikoärmer ist es. Mit dem sinkenden Risiko sinkt aber oft auch die Rendite. Eine beliebte und gut diversifizierte Option wäre die folgende Gewichtung:

40% MSCI World

Wir empfehlen unter anderem den ComStage MSCI World TRN UCITS ETF, welcher eine niedrige Gesamtkostenquote von 0,2% mit sich bringt. Zudem ist attraktiv, dass dieser ETF, wie alle ComStage Produkte auch in CHF angeboten wird.

20% Schwellenländer

Um den hohen USA-Anteil des MSCI World auszugleichen, bieten sich ETFs auf Emerging Markets an. Für Schweizer Anbieter bietet sich hier bspw. der UBS ETF (LU) MSCI Emerging Markets UCITS ETF an, welcher auch in Schweizer Franken gehandelt wird.

20% MSCI Europe

Ein MSCI Europe ETF beinhaltet ausschliesslich europäische Aktienwerte und stellt damit eine gute Ergänzung zum MSCI World dar. Der iShares Core MSCI Europe UCITS ETF bietet alles, was ein zuverlässiger ETF bieten sollte. Schweizer Anleger erhalten auch hier die Möglichkeit, den ETF direkt in CHF zu erwerben.

20% Anleihen

Anleihen können eine risikoarme Ergänzung zu einem Aktienportfolio darstellen. Der iShares Global Govt Bond UCITS ETF ist ein beliebter, weltweiter Staatsanleihen ETF und ebenfalls in CHF verfügbar.

Der Aufbau eines ETF-Portfolios hängt stark von den Anforderungen eines Anlegers ab. Die Vermögensverwaltung von e-invest hilft Schweizer Anlegern daher bei dem Aufbau eines Portfolios, welches den eigenen Anforderungen gerecht wird.

Umgang mit dem Risiko

Für die meisten Anleger sind ETF-Portfolios mit moderatem Risiko am besten geeignet. Das kommt dadurch, dass ETFs an sich stark diversifizierte Investmentprodukte sind und sich Einzelausfälle nur selten in der Performance bemerkbar machen. Für ältere Investoren kurz vor der Rente kann die Situation aber bspw. anders aussehen.

Grundsätzlich gilt, dass das Risiko eines Totalverlusts mit einer höheren Diversifikation abnimmt. Daher setzen sehr konservative Investoren oft auf einen sehr ausgewogenen Mix zwischen vielen Aktien-ETFs und Anleihen-ETFs. Oft werden auch Rohstoff-ETFs und Edelmetall-ETFs, die sogenannten Exchange-Traded-Commodities (ETC), in das Portfolio mit eingebunden.

Einzelne ETFs auswählen

Wenn ein Investor die Vergleichsindizes für sein Portfolio ausgewählt hat, kann er sich mit der Auswahl einzelner Titel beschäftigen. Dabei gilt es die Fragen „Swap oder Physisch?“, sowie „Reinvestierend oder Ausschüttend?“ zu beantworten. Dies ist hauptsächlich eine Präferenzentscheidung und lässt sich daher nicht einheitlich festlegen. Wir raten Investoren jedoch darauf zu achten, dass die ETFs nicht dieselben Swap-Partner haben und von verschiedenen Instituten aufgelegt werden.

Ist dies geklärt, sollte ein besonders genauer Blick auf die Kosten geworfen werden. Diese werden als TER (Total-Expense-Ratio) und TCO (Total Cost-of-Ownership) ausgewiesen. Dabei gilt die Performance als wichtigste Leitzahl bei der Auswahl eines ETFs. Hat ein ETF bspw. niedrige Kosten, aber eine schlechte Gesamtperformance ist die Replikation vermutlich ineffizient.

Höhere ETF-Kosten machen sich vor allem langfristig bemerkbar. Selbst kleinere Einsparungen machen bei langen Anlagehorizonten grosse Unterschiede.

Gibt es das ideale ETF-Portfolio?

Das perfekte ETF Portfolio gibt es leider nicht. Wie oben thematisiert wurde hängt der Aufbau eines ETF-Portfolios besonders von den Präferenzen und Risikovorstellungen eines Anlegers ab. Eine angemessene Diversifikation in verschiedene Märkte sollte aber grundsätzlich im Fokus stehen. Denn nur so erhalten Investoren ein angemessenes Verhältnis zwischen Rendite und Risiko.

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