Dr. Jürgen Nawatzki war früher Finanzberater bei MLP und ist heute Blogger und Internetunternehmer mit seinem Blog etf-blog.com.

Seine Mission ist es, zukünftige Rentner dabei zu unterstützen, den Lebensstandard im Alter zu sichern und so die Altersarmut zu vermeiden.

Wann und wie sind Sie auf ETFs aufmerksam geworden?

Dr. Nawatzki: Ich habe vor etwa 7 bis 8 Jahren von ETFs in der überregionalen Presse gelesen und war sofort von der Idee, mit einem Fonds einen ganzen Markt abzubilden, begeistert. So einen einfachen Weg des Investierens habe ich früher immer gesucht.

Danach habe ich meine Abschlussarbeit im Journalismus-Studium über den Aufbau einer privaten Altersvorsorge mit ETF-Sparplänen verfasst.

Und danach habe ich im Mai 2015 den Finanzblog ETF-Blog.com gegründet

Wann und wie haben Sie das erste Mal in ETFs investiert? Was hat Sie überzeugt?

Dr. Nawatzki: Kurz nach meinem Kennlernen der ETFs habe ich meine ersten beiden Sparpläne für ETFs eingerichtet, um etwas für das Alter zurückzulegen: Einen ETF auf den MSCI World Index und einen auf den MSCI Emerging Markets Index.

Ich habe in ETFs investiert, weil börsengehandelte Indexfonds

  • einfach zu verstehen sind,
  • sehr transparent sind,
  • absolut flexibel sind, weil an der Börse gehandelt und
  • sehr kostengünstig sind (wesentlich billiger als klassische Investmentfonds)

Was hat es mit dem Sprichwort „You can’t beat the market“ auf sich und was hat das mit ETFs zu tun?

Dr. Nawatzki: Mit ETFs der ersten Generation – die schlicht und ergreifend einen bestimmten Börsenindex entsprechend der Marktkapitalisierung abbilden, kann man nicht den Markt schlagen, sondern nur die Marktrendite einfahren – also die Durchschnittsrendite. Das aber ohne Risiko.

Den Markt schlagen wollen stets aktiv gemanagte Investmentfonds, also Fonds mit einem teuren Fondsmanagement. Doch diese schaffen das in der Mehrzahl nicht langfristig, also über 5 bis 10 Jahre nacheinander oder länger.

Und wegen ihrer hohen Kosten schneiden aktiv gemanagte Fonds oft schlechter ab als ETFs.

Den Markt schlagen kann man nur in Ausnahmefällen.

Für wen sind ETFs die geeignete Anlageform?

Dr. Nawatzki: Um in ETFs zu investieren braucht man kein fortgeschrittenes Finanz-Know how. Das kann im Prinzip jeder Investment-Novize.

Also sind ETFs gerade für Investment-Anfänger – aber auch für fortgeschrittene Investoren – sehr interessant.

Ein Investment in ETFs ist sehr wenig zeitintensiv.

Wie sollte sich ein an ETFs interessierter potenzieller Anleger dem Thema nähern und was sind die konkreten Schritte von „Ich habe keine Ahnung“ bis „Jetzt kann ich mich entspannt zurücklehnen“?

Dr. Nawatzki: Ich würde dem am Thema interessierten Investor einen Einstieg mit einem einschlägigen Buch (z. B. Gerd Kommer), einem Internetblog zum Thema (z. B. ETF-Blog.com) oder einem geeigneten Online-Kurs empfehlen, wie zum Beispiel dem ETF-Investor, den ich selbst erstellt habe ( https://etf-blog.com/etf-investor/ ). Dort kann der an Indexfonds Interessierte anhand von Texten (PDFs) und Videos die Grundbegriffe des Investierens mit ETFs erlernen.

Welche Arten von ETFs sind aktuell bei Anlegern besonders populär?

Dr. Nawatzki: Es gibt immer wieder gerade aktuelle Investment-Trends, denen ich jedoch nicht hinterher laufen würde. Zum Beispiel die Megatrends künstliche Intelligenz, Medizintechnik oder autonome Mobilität.

Und besonders angesagt ist momentan das Thema Faktorinvesting. Dabei tragen diese sogenannten Aktienfaktoren zur Erklärung der Rendite einer Aktie bei. Zum Beispiel die Faktoren Unternehmensgröße, Unternehmenswert, Qualität, Momentum und Low Volatility.

Das ist die zweite Generation an ETFs, sogenannte Smart-Beta-ETFs, die den Markt dadurch schlagen wollen, indem sie die Aktien im ETF anders gewichten als bei der sonst üblichen Marktkapitalisierung. Dafür sind sie aber auch deutlich teurer.

Stattdessen würde ich meine Investments weltweit streuen. Das ist aus rein wissenschaftlicher Sicht absolut empfehlenswert.

Ein Investment-Anfänger braucht meiner Meinung nach nur zwei ETFs:

Einen auf den MSCI World Index und einen auf den MSCI Emerging Markets Index. Damit würde er in rund rund 2.400 unterschiedliche Aktien investieren. Das ist schon eine sehr gute Risikostreuung.

Wann soll ich lieber in einen einzelnen breit abgestützten ETF und wann in mehrere Nischen-ETFs investieren?

Dr. Nawatzki: Ich kann gar nicht empfehlen, in Nischen-ETFs zu investieren, es sei denn, man hat bereits ein größeres Vermögen. Dann würde ich einen guten Honorarberater konsultieren.

Wer dagegen mit einer Sparrate von 50 oder 100 oder 300 EUR pro Monat starten möchte, dem würde ich stets marktbreite, weltweit anlegende ETFs mit niedrigen Kosten empfehlen.

Was sind in Ihren Augen die Vorteile/Nachteile von ETFs (die oft übersehen werden)?

Dr. Nawatzki: Aus meiner Sicht haben ETFs überwiegend Vorteile, denen kaum nennenswerte Nachteile gegenüberstehen.

Wie gesagt, ETFs sind einfach, transparent, flexibel und kostengünstig. Zur Gefahr könnte irgendwann werden, wenn plötzlich alle nur noch in ETFs und nicht mehr in Einzelaktien oder klassische Fonds investieren würden. Dann käme es zu Problemen bei der Preisbildung und ggfs. zu Marktverzerrungen.

Doch davon sind wir noch meilenweit entfernt. Zurzeit sind vermutlich kaum mehr als 3 Prozent aller Anleger in ETFs investiert.

Und man kann mit klassischen ETFs der ersten Generation eben den Markt nicht schlagen. Dafür aber sehr wohl mit Smart-Beta-ETFs.

Und mittlerweile gibt es auch eine dritte Generation an ETFs, nämlich aktiv gemangte Indexfonds. Aber die befindet sich noch in den Kinderschuhen.

Was ist schlechter Rat, den Sie immer wieder in der eigenen Branche hören?

Dr. Nawatzki: Durch häufiges Traden also hin und her – eine vermeintliche Überrendite einfahren zu wollen. Traden kostet Geld und daran erfreut sich vor allem die Bank wegen ihrer Provisionen. Am häufigen Traden haben also vor allem die Banken Interesse. Für den einzelnen Anleger ist es in der regel eher schädlich – weil es schlicht und ergreifend hohe Kosten produziert..

Stattdessen gilt: Buy and hold. Kaufen und sehr lange halten. Das ist nachweislich die erfolgreichste Anlagestrategie.

Was sind typische Fehler / Fallstricke bei der Anlage in ETFs?

Dr. Nawatzki: Häufiges Kaufen und Verkaufen – also Traden – und das Investment in irgendwelche Nischen- und ETFS von kleinen Ländern, nur weil irgendein Experte dort gute Chancen wittert.

Man sollte sich generell abgewöhnen, auf die Meinung sogenannter Experten zu hören.

Ein großer Vorteil der Anlage in ETFs ist ja der geringe Zeitaufwand. Welche monatlichen Aktivitäten sehen Sie trotzdem als notwendig an um ein erfolgreiches Portfolio aufzubauen?

Dr. Nawatzki: Wenn ein ETF-Sparplan einmal eingerichtet ist, läuft er von selbst. Man braucht dann nur ein- bis zweimal pro Jahr nachzusehen und ein erforderliches Rebalancing vorzunehmen. Also die ursprüngliche Verteilung auf verschiedene Anlageklassen und ETFs wiederherzustellen, die sich im Laufe eines Jahres durch die unterschiedliche Kursentwicklung verschiedener Märkte ergeben hat.

Welche Rolle spielen die Kosten für die Verwaltung eines ETF-Portfolios bei der Entscheidung über einen Anbieter?

Dr. Nawatzki: Online-Broker sind generell günstiger als Filialbanken. Die durchschnittlichen Verwaltungskosten eines ETFs betragen pro Jahr 0,34 Prozent. Man bekommt auch ETFs mit noch niedrigeren Kosten. Zum Beispiel von Vanguiard, dem Kostenführer unter den ETF-Anbietern.

Und wer es nicht selbst machen möchte, für den gibt es eine ganze Reihe sogenannter Robo-Advisor, die gegen eine Gebühr ETFs passend zur jeweiligen Risikoeinstellung des Anlegers aussuchen.

Wenn Sie einen einzigen Tweet (max. 280 Zeichen) zur Verfügung hätten, um der Welt etwas über ETFs mitzuteilen, wie würde dieser aussehen?

Dr. Nawatzki: ETFs sind der Anlagetrend unserer Zeit und die Zukunft der Geldanlage für Privatanleger. Einfach, weil sie die größte Finanzinnovation der letzten 20 Jahre sind. Dabei sind ETF-Sparpläne der absolute Königsweg des Fondssparens.

Gerne zeigen wir Ihnen, wie wir mit unserer Erfahrung ein Portfolio zusammenstellen

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