Die finanzielle Vorsorge ist ein Thema, mit dem man sicher rechtzeitig auseinandersetzen sollte, um den eigenen Ruhestand ohne finanzielle Sorgen geniessen zu können. Insbesondere die jüngere Generation wird Schätzungen zufolge 20% bis 30% weniger Rente erhalten als die aktuelle Generation der Pensionierten.

Um diese Vorsorgelücke zumindest teilweise zu schliessen, besagt eine einfache Faustregel, dass mindestens 10% vom Bruttolohn in die private Vorsorge investiert werden sollten. Bei einem Jahresbruttolohn von mehr als 100‘000 Franken sind sogar 20% empfehlenswert.

Die schweizerische Altersvorsorge basiert auf einem Drei-Säulen-Modell. Dieses unterscheidet die staatliche Vorsorge (Säule 1), die berufliche Vorsorge (Säule 2) sowie die steuerlich geförderte private Vorsorge (Säule 3a) und die vollständig private Vorsorge ohne steuerliche Sonderbedingungen (Säule 3b). Welche Säule greift in welchem Bereich?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Säule 3b im schweizerischen Rentensystem erlaubt einen völlig individuellen Aufbau der Altersvorsorge.
  • Mit dem Kapital aus der Säule 3b lässt sich die Zeit zwischen gewünschtem Ruhestand und dem Beginn der Zahlungen aus den Säulen 1 bis 3a überbrücken.
  • ETFs bieten sich als kostengünstige Lösung für einen langfristigen Kapitalaufbau an.
  • Eine Vermögensverwaltung durch RoboAdvisor eignet sich hervorragend für Laien, um die richtigen Anlageentscheidungen zu treffen.

Das schweizerische Drei-Säulen-Modell kurz erklärt

Als erstes ist es wichtig zu wissen, welche Säule welchen Versicherungs- und Vorsorgeschutz bietet. Wir wollen dies kurz erläutern.

Säule 1

Die Säule 1 fasst nicht nur die staatliche Alters- und Hinterlasssenenabsicherung zusammen. Sie greift auch im Fall einer Invalidität der versicherten Person, leistet den Erwerbsersatz bei Dienst und Mutterschafft und bei Arbeitslosigkeit.

Säule 2

Bei der Säule 2 handelt es sich um die berufliche Altersvorsorge. Sie gilt für alle Arbeitnehmer, die in der Säule I versichert sind und, Stand 2019, mindestens 21.330 Franken im Jahr verdienen. Sie gilt ab dem 17. Lebensjahr. Bis zum 24. Lebensjahr besteht jedoch nur Anspruch im Todes- und Invalidenfall. Eine Besparung für die Altersrente beginnt erst nach dem 24. Lebensjahr.

Säule 3

Die dritte Säule im schweizerischen Rentenversicherungssystem deckt die private Vorsorge ab. In sie sollten nach der Faustregel mindestens 10% des Jahresbruttolohns fliessen. Dabei unterscheidet der Gesetzgeber zwischen der Säule 3a, die eine staatliche Förderung durch Steuererleichterungen beinhaltet und die Säule 3b, die losgelöst von jeder fiskalischen Maßnahme bespart werden kann. Die steuerlich geförderten Höchstbeiträge in der Säule 3a werden jedes Jahr neu festgelegt. Sie unterscheiden sich in der Höhe auch in Bezug auf den Beitragszahler. Einzahlungen in die Säule 3a sind im Gegensatz zur Säule 3b steuerbegünstigt. Da in die gebundene Säule 3a als Arbeitnehmer aktuell maximal 6826 Franken eingezahlt werden können, sind damit oft nicht die vollen von der Faustregel geforderten 10% (oder mehr) des Jahresbruttolohns ausgeschöpft.

Für den restlichen Betrag bietet sich eine flexible Investition in die ungebundene Vorsorge 3b an. Die Investmentprodukte dieser Säule sind dabei frei wählbar.

Die Säule 3b im Detail

Die Säule 3 bildet den juristischen Grundstock für die private Vorsorge. Allerdings wartet sie im Rahmen der Säule 3a mit Restriktionen in Bezug auf die Höhe der geförderten Einzahlung und dem Datum der Verfügbarkeit auf. Diesen Preis müssen die Sparer bezahlen, wenn sie steuerliche Vorteile in Anspruch nehmen wollen.

Vorsorgesparer, die grossen Wert auf Flexibilität, unter Umständen auch auf eine höhere Rendite legen, sind mit der Säule 3b vermutlich besser bedient. Wobei allerdings gilt, dass es natürlich nicht „entweder – oder“ heissen muss, sondern im Idealfall, wenn es die finanziellen Spielräume zulassen, „sowohl – als auch“.

Welche Rolle spielt die Säule 3b in der Altersversorgung?

Die Bezeichnung „Säule 3b“ stellt letztendlich nichts anderes dar, als eine Umschreibung für alle Formen des privaten Sparens, die keiner staatlichen Regulierung unterworfen sind. Der Sparer kann sich das Produkt frei aussuchen und ist ungebunden, was die Höhe der Einzahlung angeht. Darüber hinaus kann er über sein Guthaben verfügen, wenn er möchte, ohne deswegen mit Abschlägen oder Einschränkungen rechnen zu müssen.

Die Säule 3b bietet jenseits der staatlich geregelten Vorsorgemodelle die Freiheit, dass der Sparer mit dem Kapitalstock aus der Säule 3b seinen Ruhestand beginnen kann, wann er möchte. Die Säule 3b ermöglicht es beispielsweise, die Zeit zwischen gewünschtem Ruhestand und dem Beginn der Zahlungen aus den Säulen 1 bis 3a zu überbrücken.

Auch bei nicht vorzeitigem Antritt des Ruhestands hat die Säule 3b eine ganz wichtige Funktion: das Schliessen der Vorsorgelücke. Einer weiteren Faustregel nach beläuft sich der Finanzbedarf im Ruhestand auf etwa 70% des letzten Lohns. Die Leistungen der 1. und der 2. Säule decken allerdings Schätzungen zufolge durchschnittlich nur 60% des letzten Lohns ab. Je höher jedoch der Lohn, desto geringer wird der Anteil der Vorsorgeleistungen der 1. und 2. Säule.

Folglich wird die Vorsorgelücke bei steigenden Einkommen immer grösser. Hier gilt es mit der 3. Säule zu kompensieren.

Warum also ist die Vorsorge über die Säule 3b sinnvoll?

Eine ergänzende private Vorsorge über die Säule 3b ist aus den folgenden Gründen sinnvoll:

  • Die Vorsorgelücke kann mit der Säule 3b geschlossen werden.
  • Die Säule 3b ermöglicht einen völlig individuellen Kapitalaufbau.
  • Der Verfügungszeitpunkt ist nicht gesetzlich geregelt, sondern kann jederzeit stattfinden.

Je höher das Einkommen, desto dringender ist der Bedarf an privater Vorsorge und dem Nutzen der Säule 3b. Die Möglichkeiten der Geldanlage sind hier unbeschränkt. Die wichtigsten Anlageformen sollen kurz diskutiert werden.

Welche Anlagemöglichkeiten bestehen in der Säule 3b?

Die Säule 3b kennt in Bezug auf die Produktauswahl keine Beschränkung. Anbei ein kurzer Überblick über die relevanten Produkte, die normalerweise für eine Investition in die freie Säule 3b in Frage kommen.

Das Sparkonto

Viele Anleger legen ihr Geld einfach auf ein Sparkonto. Als langfristige Lösung für die Vorsorge hat diese Sparform mittlerweile aber den grossen Nachteil, dass sie keine Zinsen abwirft und mit Einbezug der Inflation ein Kaufkraftverlust stattfindet.

Dafür hat das Sparkonto den Vorteil, dass das Geld jederzeit verfügbar ist und kein Verlustrisiko vorhanden ist. Für die freie Selbstvorsorge lohnt sich ein Sparkonto als Absicherung für den Ruhestand deshalb nur bedingt.

Aktien oder Obligationen

Aktien oder Obligationen gelten als vermögensbildende Alternative in der Säule 3b.

Im Durchschnitt lassen sich mit Aktien immer noch die höchsten Renditen erzielen. Insbesondere, wenn sie über mehrere Jahre gehalten und Kursschwankungen ausgesessen werden können. Dafür bergen Aktien auch ein höheres Verlustrisiko. Deshalb eignen sie sich eher für Anleger, die das Risiko nicht scheuen. Fonds bieten dem Laien hier schon eine grössere Sicherheit, da durch die Vielzahl der verschiedenen Aktien im Fonds eine Risikostreuung gegeben ist, die Kursverluste bei Einzeltiteln auffängt.

Der Nachteil bei klassischen Aktienfonds ist allerdings der Ausgabeaufschlag. Dieser liegt in der Regel bei fünf Prozent. Fünf Prozent wiederum stellen bei der Renditekalkulation eine Grösse dar, die nicht unterschätzt werden darf. Pro 100 Franken, die ein Sparer beispielsweise im Rahmen eines Sparplans einzahlt, werden zunächst nur 95 Franken angelegt. Am Ende des Jahres wird der mögliche Gewinn aus Kursteigerungen und Dividendenzahlungen jedoch noch einmal um die Managementgebühr und eine mögliche Erfolgsgebühr gemindert.

Obligationen gelten als sicherer – risikolos sind sie allerdings nicht. Die beiden Anlageprodukte – Aktien und Obligationen – können auch in einem Portfolio oder einem Fonds vereint werden, um dadurch Risiken durch Diversifikation zu minimieren.

Lebensversicherung

Eine andere Art der ungebundenen Vorsorge bietet eine Lebensversicherung. Der Vorteil ist, dass der Vermögensaufbau mit der Absicherung von Risiken wie Tod oder Erwerbsunfähigkeit verbunden werden kann.

Allerdings haben Lebensversicherungen den Nachteil, dass das Kapital in der Regel langfristig gebunden ist und ein flexibler Vorbezug mit hohen Kosten einhergeht.

Wohneigentum

Der Kauf von Wohneigentum ist ebenfalls eine Möglichkeit, für das Alter vorzusorgen. Insbesondere, falls die Immobilie zu Wohnzwecken verwendet wird, sparen Anleger sich im Alter die Wohnkosten (sofern eine etwaige Hypothek abgezahlt ist).

Kapitalanleger können eine Immobilie auch als Renditeobjekt anschaffen, um es später gewinnbringend zu verkaufen. Dabei besteht je nach Wirtschaftszyklus aber das Risiko sinkender Immobilienpreise.

Vermögensverwaltung

Um sich nicht auf eigene Faust um die geeignete und zeitaufwändige Auswahl der passenden Anlageprodukte kümmern zu müssen, können Sie diese Aufgabe einem Vermögensverwalter delegieren.

Klassische Vermögensverwaltung ist in der Regel jedoch erst ab einem Vermögen von über 100‘000 Franken zugänglich. Bei Privatbanken liegt die Mindestanlagesumme mitunter bei einer Million Franken oder mehr.

ETF Fonds

Viele Anleger setzen – insbesondere wegen der aktuell niedrigen Zinsen – auf Anlagen, die leichter zu erwerben sind und eine bessere Rendite ermöglichen. ETFs sind eine attraktive Kapitalanlage – vor allem für die private Altersvorsorge. Im Vergleich zu einer klassischen Vermögensverwaltung bestechen ETFs aufgrund der erschwinglichen Gebühren erhebliche Renditevorteile.

Das Angebot an ETF Lösungen im Rahmen der Säule 3a hält sich aktuell jedoch stark in Grenzen. Deshalb weichen viele Privatanleger auf die ungebundene Säule 3b aus, um von ETFs als attraktive Investitionsmöglichkeit für die Vorsorge zu profitieren.

Durch den technologischen Fortschritt kann die Verwaltung von Vermögen mittlerweile auch für kleinere Anlagesummen digital erfolgen – und das zu tiefen Kosten.

Kostenvergleich Aktienfonds vs. ETFs

Das Kürzel „ETF“ entstammt dem Englischen und steht für „Exchange Trading Funds“. Im Gegensatz u klassischen Fonds, die von der Fondsgesellschaft ausgegeben werden, findet bei ETFs ein Handel an der Börse statt. Ein ETF wird einmal geschnürt, und dann an der Börse platziert.

Im deutschsprachigen Raum lautet der Begriff für einen ETF „Indexfonds“. Diese Bezeichnung gibt bereits einen Hinweis darauf, worum es sich bei diesem Wertpapier handelt.

Ein klassischer Fonds wird täglich vom Management neu auf die Zusammensetzung analysiert und aktiv gemanagt. Papiere mit schwacher Performance werden gegen Aktien mit besseren Zukunftsaussichten ausgetauscht. Das kostet den Anleger wiederum Geld für das Management. Dieses wiederum versucht, besser zu sein als der jeweilige Index. So ist es das Ziel eines Managers eines Fonds mit Schwerpunkt Schweiz, den SMI zu schlagen.

Ein Indexfonds geht einen anderen Weg. Er bildet einfach den jeweiligen Index nach, sei es der SMI, Eurostoxx, der S&P oder der DAX. Das Management wird nur aktiv, wenn es innerhalb des Fonds zu einer Veränderung kommt. Für den Anleger bedeutet ein passives Management zwangsläufig niedrigere Verwaltungsgebühren und damit mehr Rendite. Die nachfolgende beispielhafte Tabelle verdeutlicht den Sachverhalt der unterschiedlichen Kosten:

ETF Fonds, welche durch Robo Advisor verwaltet werden, bieten die geringsten Kosten bei der Anlage in Indexfonds. Bei einem Robo Advisor handelt es sich um eine Vermögensverwaltung, welche die Anlageentscheidungen rein auf der Basis eines Algorithmus trifft. Emotionale Aspekte oder die Vertriebsvorgaben des Vermögensverwalters bleiben völlig aussen vor. Damit ist sichergestellt, dass rein objektive Kriterien bei der Auswahl eines ETF greifen. Bei der Vermögensverwaltung und dem Vermögensaufbau durch einen Robo Advisor sind nicht nur Einmalzahlungen möglich. Die Anleger können bequem im Rahmen eines Sparplans ihr Versorgungskapital für den Ruhestand aufbauen.

Wann sollte mit der Vorsorge im Rahmen der Säule 3b begonnen werden?

Wer sein Vorsorgeziel definiert hat, wird schnell feststellen, je früher er mit dem Aufbau beginnt, umso kleiner sind die dafür notwendigen Beträge. Der Zinseszinseffekt, in diesem Fall die Wiederanlage von Gewinnen, hat eine umso grössere Auswirkung, je länger die Vorlaufzeit gewählt wird. Um es auf den Punkt zu bringen, es gibt keinen Zeitpunkt, der zu früh ist, um mit der Altersvorsorge zu beginnen. Dazu ein Rechenbeispiel:

Die Zahlen bezüglich der monatlichen Sparrate sprechen für sich selbst – je früher der Beginn stattfindet, umso niedriger der Aufwand.

Fazit

Eigenverantwortung ist gefragt. Die private Vorsorge ist heutzutage ein Thema, mit dem sich jeder Schweizer befassen sollte und das schon möglichst in jungen Jahren.

Es ist wichtig, die Verantwortung für die Altersvorsorge in die eigene Hand zu nehmen und nicht einzig auf das staatliche Vorsorgesystem zu vertrauen. Dabei ist gerade für Besserverdienende neben der steuerbegünstigten Säule 3a eine zusätzliche Vorsorge in der Säule 3b unumgänglich, um Vorsorgelücken aus den ersten beiden Säulen adäquat abdecken zu können.

Die Säule 3b bietet die grösstmögliche Flexibilität, um den Einstieg in den Ruhestand selbst zu gestalten. Anleihen und klassische Sparformen sind aufgrund mangelnder Rendite ungeeignet. Indexfonds weisen gegenüber klassischen Fondsanlagen eine deutlich niedrigere Kostenquote auf. Mit ETFs ist ein langfristiger Vermögensaufbau im Rahmen einer voll automatisierten und objektiven Vermögensverwaltung möglich. Je länger die Vorspardauer anhält, umso geringer fällt der monatliche Sparbeitrag aus.

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