Warum Sparen unser Gehirn langweilt

Die Erfindung ist bald 100 Jahre alt. Noch älter aber ist unsere biologisch programmierte Abneigung. Am 30. Oktober 2018 findet der 95. Weltspartag statt – ein Tag, der erstmals am internationalen Sparkassenkongress 1924 ins Leben gerufen wurde. Doch Sparen liegt uns nicht in den Genen. Oder wie es der Verhaltensökonom Dan Ariely formulierte: „Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht mit Geld umzugehen.“ Ist das wirklich so? Und was sollte uns das am 95. Weltspartag sagen?

Knapp 100 Jahre danach hat sich der zugrundeliegende Kerngedanke weiterentwickelt. Nicht das Sparen alleine steht im Fokus, sondern wie wichtig es ist, dass jeder Mensch über grundlegendes Finanzwissen verfügt und sich mit dem Thema Geldanlage und Sparen auseinandersetzt. Doch tun wir das?

Zum Sparen erzogen

Alles begann in Kinderjahren, als wir von unseren Eltern ermahnt wurden jeden Rappen zu ehren – und bestenfalls aufzubewahren. Das Taschengeld landete scheppernd in unserem Sparschwein, das dann irgendwann auf der Bank entleert wurde. Auch heute noch zwingen wir uns hier und da unsere Rappen beiseite zu legen und brav an unsere Altersvorsorge zu denken.

Warum ein Spartag uns langweilt

Doch Sparen an sich ist kein natürlicher Instinkt, dem wir folgen. Evolutionstechnisch gesehen ist unser Gehirn auf die kurzfristige Befriedigung getrimmt. Anders formuliert: Langfristige Sparanlagen sind die perfekten Schlaftabletten für unser Gehirn.

Für die moderne Welt, in der wir leben, ist Sparen jedoch eine wichtige Existenzgrundlage. Immerhin steigt unsere Lebenserwartung laufend und wir müssen auch im Alter von irgendetwas leben. Und das Vorsorgesystem in der Schweiz gerät immer mehr ins Wanken, da dessen Bausteine teilweise veraltet sind.

Fünf Tricks zum Weltspartag

Darum haben wir am diesjährigen Weltspartag fünf Tricks gesammelt, mit denen wir unser sparfaules Gehirn austricksen können:

Erstens: Werden Sie nicht übereifrig

Besonders eifrige Sparer überschätzen oft, was an laufenden Ausgaben auf sie zukommen – teilweise sind diese nicht planbar. Wenn in Ihrem Sparplan illiquide Anlagen vorgesehen sind, kann es schnell zu finanziellen Engpässen kommen. Darum ist ein wichtiger Grundgedanke beim Sparen dafür zu sorgen, dass trotzdem immer genug flüssiges Vermögen vorhanden ist. Oder anders gesagt: Bescheidene Vorsätze sind die besten.

Darum sollten Sie als Anleger einerseits darauf achten, dass Sie in liquide Anlageprodukte investieren – also in solche, bei denen Sie jederzeit Zugriff auf Ihr Vermögen haben.

Verträge mit einer fixen Laufzeit sollten Sie genau unter die Lupe nehmen: Ab wann haben Sie Zugriff auf Ihr Vermögen und mit welchen Einschränkungen? Bei zu vielen Einschränkungen sollten Sie nur dann in diese Produkte investieren, wenn Sie daneben ausreichende flüssige Mittel zur Verfügung stehen haben.

Zweitens: Halten Sie es unkompliziert

Nicht alle Kunden lesen die Konditionen durch, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben. Und das hängt häufig damit zusammen, dass viele Angebote unfassbar kompliziert sind. Sie zu durchschauen und zu verstehen ist quasi ein Ding der Unmöglichkeit.

Darum passiert es leider oft, dass Sparwillige ihr Vermögen in Produkte stecken, die als gewinnbringend verkauft wurden und sich im Nachhinein als Marketing-Falle herausstellten. Vergessen Sie nicht: Unser Gehirn will sich nicht mit komplizierten Produkten auseinandersetzen, sondern mit einfachen Argumenten schnell davon überzeugt werden, dass Bedürfnisse befriedigt werden.

Sie sollten insbesondere solche Angebote meiden, die in komplizierte Verträge gefasst sind und von ihrem Berater als „sichere Investition“ verkauft werden. Ein Anleger sollte seine Risiken ebenso gut wie die Chancen kennen, die er eingeht.

Und diese sollte er auf verständliche Weise erklärt bekommen.

Drittens: Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb

Das bedeutet: Setzen Sie nicht alles auf ein Pferd. Manch einer hörte von den schwindelerregenden Gewinnen, die durch die Investition in Bitcoin erzielt wurden und setzte sein gesamtes Vermögen darauf. Dann brach der Hype ein und Verluste von über 50% standen zu Buche.

Darum ist es besser sein Vermögen auf verschiedene Anlagen aufzuteilen. Die Faustregel beim Sparen und bei der Geldanlage lautet: Diversifikation.

Viertens: Entwickeln Sie einen langfristigen Sparplan

Sie erinnern sich: Kurzfristige Gier schadet dem Vermögen. Sparen ist keine Sache kurzfristiger Investitionen. Um kurzfristig hohe Gewinne zu erzielen, müssen Anleger schnelle und riskante Investitionen tätigen.

Der Faktor Zeit ist für Ihren Sparplan entscheidend. Warum? Die Statistik beweist, dass sich die Risiken Ihrer Investition mit der Anzahl der Jahre verringern. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Investition in ein diversifiziertes Portfolio morgen an Wert verliert (oder gewinnt), liegt bei 50%.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die diversifizierte Anlage nach zehn Jahren immer noch eine negative Rendite aufweist, ist bedeutend kleiner. Clevere Anleger wissen, dass die nachhaltige Rendite auf diejenigen wartet, die genügend Geduld beweisen.

Kurzfristige Anlagen beruhen auf Spekulation. Langfristige Anlagen auf makroökomische Entwicklungen. Das klingt langweilig? Warten Sie ab, bis sich die Nullen hinter Ihrem Anlagebetrag über die Zeit vermehren – spätestens dann wird sich Ihr Gehirn für dieses Konzept begeistern.

Fünftens: Bewahren Sie auch bei Turbulenzen die Ruhe

Wenn Sie bereit sind langfristig zu investieren, sollten Sie sich bewusst sein, dass der Wert von Anlageprodukten natürlichen Schwankungen unterliegt. Das Treffen ruhiger, rationaler Entscheidungen ist dabei ein Schlüsselfaktor für den langfristigen Anlageerfolg.

Selbst bei grossen Finanzkrisen, wie zuletzt 2008/2009, erholten sich die Märkte wieder. Und schliesslich sollten Sie daran denken, dass Sie kein Geld verloren haben, solange Sie nicht verkaufen.

Überlisten Sie Ihr Gehirn

Rufen Sie sich immer wieder in Erinnerung, dass Sparen und Geld anlegen nur deshalb unattraktiv wirkt, weil Sie genetisch nicht darauf programmiert sind. Wenn Sie Ihr Gehirn überlisten und Sie die wichtigsten Grundsätze für die Geldanlage beherzigen, können Sie sich in einigen Jahren auf eine satte Ernte freuen, die dann auch mit der ersehnten Befriedigung einhergeht.

In diesem Sinne: Alles Gute zum Weltspartag.

Wir ermitteln für Sie einfach und transparent Ihre passende Anlagestrategie.

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